Dies ist nun die erste Fortsetzung meiner Praxis-Serie über Landschaftsfotografie. Im letzten Artikel habe ich Euch die Grundzüge aufgezeigt, auf die es bei Landschaftsaufnahmen ankommt und wie elementar der Einfluss des unterschiedlichen Tageslichts auf das Gesamtergebnis ist.
Schlechte Wetterverhältnisse
Landschaftsfotografen sind wie Jogger – bei schönem Wetter sind die meisten unterwegs. Aber wie sieht es wohl aus, wenn es gerade regnet, Gewitter ganz bedrohlich heranziehen oder Nebel die Landschaft einhüllt? Erfahrungsgemäß wagt sich hier nur eine kleine Minderheit vor die Tür (schließlich gehörte ich auch lange Zeit zu den Schönwetterknipsern). Eigentlich sehr schade weil auch solche Wetterlagen für ambitionierte Fotografen einige überwältigende Motive zu bieten haben. Man muss lediglich den inneren Schweinehund einmal überwunden haben.
Nach dem Regen
Schlechtes Wetter ist noch lange kein Grund, die Kamera ausgeschaltet zu lassen. Direkt nach einem Regenschauer besteht mitunter die beste Möglichkeit, Blätter und Bäume richtig gut in Szene zu setzen. Da es meist immer noch wolkig und somit auch etwas dunkler ist, wirkt das Grün wesentlich gesättigter und die Regentropfen auf den Pflanzen vermitteln Frische und Leben. Dazu empfiehlt es sich, wie auch schon von Makroaufnahmen gewohnt, nah an ein Objekt heranzugehen beziehungsweise zu zoomen. Gerade ganz besonders sommerliche Regengüsse zeigen oft ein Phänomen von besonderem fotografischen Reiz: einen Regenbogen. Mit Hilfe eines Polfilters lassen sich seine Farben wunderbar herausarbeiten. Dazu dreht man den Polfilter so lange, bis die Farben des Regenbogens am brilliantesten leuchten. Dieser Filter bietet noch einen weiteren interessanten Vorteil: Einen um einiges blauer wirkenden Himmel.
Gestaltungsmittel Nebel
Nebel und auch sehr tief hängende Wolken können eine Landschaft in eine atemberaubende Stimmung tauchen. Und wer dazu noch etwas Zeit und vor allem Geduld mitbringt, wird sehr oft auch belohnt: Wenn der Zeitpunkt kommt in dem sich die Sonne durch die Nebelwand arbeitet oder durch die Wolken bricht, und dabei Lichtstreifen entstehen, ist man genau am richtigen Ort. Als Tipp kann ich empfehlen, eine Belichtungsmessung durchzuführen und dann die Belichtung um eine Blendenstufe zu erhöhen. Mit dieser absichtlichen Überbelichtung wirkt die Aufnahme insgesamt freundlicher und die graue Nebelwand wird abgemildert. Manchmal gelingt es im Gebirge an nebligen Tagen die zwischen einzelnen Felsformationen aufsteigenden Schwaden zu fotografieren. Dabei kann sich auch ein Aufstieg zum Gipfel lohnen – schließlich befindet man sich dann oberhalb der Nebelschwaden.
Naturgewalten
Gewitter sind sicherlich nicht jedermanns Sache. Ich kann Euch auch hier nicht empfehlen, mit der Kamera bei starken Unwettern auf Motivjagd zu gehen. Jedoch wenn sich kurz vor dem Losbrechen des Naturspektakels dunkle und bedrohlich wirkende Wolkenberge am Himmel zusammenballen und dabei die Sonne doch noch für den einen oder anderen kurzen Augenblick durchscheint, dann sollte man jedenfalls nicht lange fackeln sondern zur Kamera greifen.
Der eigenen Kreativität sind hier eigentlich kaum Grenzen gesetzt und schlechtes Wetter kann man sich sehr gut zu Nutze machen um herrliche Fantasy- und Märchenlandschaften darzustellen – einfach Mut zur Situation zeigen. Es muss auch nicht immer die schöne heile Welt eingefangen werden.
Dies ist nun der zweite Teil der Artikelserie zur Landschaftsfotografie und im nächsten Artikel geht es um das Spielen mit unterschiedlichen Perspektiven aber mehr möchte ich noch nicht verraten
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