Dieser Artikel richtet sich an diejenigen, welche gerade frisch in die digitale Spiegelreflex-Fotografie einsteigen. An sich sind Neueinsteiger gut beraten, wenn sie sich zunächst ein Kit aus Body und dazu passendem Objektiv kaufen. Der Mehrpreis kann meist eher vernachlässigt werden und man kann direkt loslegen und die ersten Gehversuche mit der neuen Kamera unternehmen. Doch irgendwann kommen die meisten Amateure ins Grübeln: Das Kit-Objektiv reicht nicht mehr aus, um den inzwischen gewachsenen Ansprüchen gerecht zu werden. Zu wenig Tele, zu lichtschwach, nicht scharf genug oder der Focus ist zu langsam und so weiter… Das Problem lässt sich durch den Kauf eines neuen Objektives scheinbar relativ einfach lösen. Nur welche Optik aus der schier unüberschaubaren Angebotsvielfalt ist für mich nun die richtige?
Während sich die Frage nach der richtigen Brennweite recht einfach anhand der hauptsächlich fotografierten Motive klären lässt, sieht es bei der Preisspanne schon ganz anders aus: Reicht ein günstiges Objektiv, sollte man doch etwas mehr ausgeben oder muss es doch die gewöhnlich sehr teuere Spitzenklasse sein? Eine universelle und allgemeingültige Antwort darauf gibt es schlichtweg nicht, denn die persönlichen Ansprüche sind ebenso unterschiedlich wie die vorhandenen Budgets.
In diesem Artikel möchte ich etwas näher auf die wichtigsten, unterschiedlichen Objektiv Typen eingehen:
- Reise-Zooms
- Portrait-Objektive
- Ultra-Weitwinkel
- Makro-Objektive
- Super-Teles
Reise-Zooms
Was ist eigentlich ein Reise-Zoom?
Wie der Name schon sagt, ist diese Art Objektiv bestens für Reisen geeignet da mit einem einzigen Objektiv ein sehr breiter Brennweitenbereich, nämlich von Weitwinkel bis Tele abgedeckt wird. Damit erspart man sich eine große und schwere Fototasche, ein Faktor der besonders auf Flugreisen zum Tragen kommt. Schließlich ist man hier hinsichtlich Größe und Gewicht des Handgepäcks doch erheblich eingeschränkt.
Wo lässt sich ein Reisezoom sonst einsetzen?
Groß verreisen muss man eigentlich nicht um die Vorteile eines Reise-Zooms für sich ausnutzen zu können. Grundsätzlich lohnt es sich immer wenn man unterwegs ist – also beim Wochenend-Ausflug, Städtetouren, einem Fahrrad-Ausflug oder auch auf Festen und Feiern leistet es gute Dienste da das Gepäck klein und leicht bleibt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich so den Objektivwechsel erspart was wiederum die Einsatzgeschwindigkeit gerade beim Fotografieren wechselnder Motive erheblich steigert.
Und wo liegen die weiteren Besonderheiten?
Wenn kein Objektivwechsel von Nöten ist, bringt das einen weiteren, wie ich finde erheblichen Vorteil mit sich: Es kann kein Staub in die Kamera gelangen und den Sensor verschmutzen. Allerdings ergeben sich durchaus auch Nachteile, die man nicht ganz vernachlässigen kann: Objektive mit einem derartig ausgedehntem Zoombereich stellen hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Lichtstärke wie auch der Verzeichnung, der Vignettierung und der Verzerrung immer nur einen Kompromiss dar – dessen sollte man sich immer bewusst sein.
Portrait-Objektive
Was ist ein Portrait-Objektiv genau?
Grundsätzlich haben die für Portraits am besten geeigneten Objektive eine Brennweite die im unteren Tele-Bereich liegt, also circa zwischen 70 und 120 Milimeter. Dadurch werden Gesichter relativ unverzerrt und mit harmonischen Proportionen aufgenommen. Festbrennweiten und Zoom-Objektive eignen sich innerhalb der genannten Brennweiten-Grenzen gleichermaßen gut.
Wozu lässt sich solch ein Objektiv noch einsetzen?
Logischerweise kann man neben Portraits mit diesen Objektiven auch noch eine große Vielzahl anderer Motive fotografieren. Wichtig ist nur, dass die vorhandene Brennweite auch zum Motiv und zum gewünschten Bildeindruck passt. Ansonsten sind der Kreativität des Fotografen eigentlich keine Grenzen gesetzt.
Welche Besonderheiten sollte man beachten?
Es gibt zwei Hauptmerkmale, welche ein gutes Portrait-Objektiv auszeichnen. Es sollte einerseits eine relativ hohe Lichtstärke besitzten. Damit lässt sich bei offener Blende ein schöner Schärfe- Unschärfe-Verlauf erziehlen, was dem Portrait eine besonders ansprechende Wirkung verleiht. Zudem lassen sich mit lichtstarken Optiken auch stimmungsvolle Fotos ohne Blitz anfertigen. Zweiten sollten Portrait-Objektive gestochen scharf abbilden können, um auch feinste Strukturen wie zum Beispiel Wimpern oder Haare und ganz besonders die Augen des Fotomodells sauber und kontrastreich einfangen zu können.
Ultra-Weitwinkel
Was zeichnet ein Ultra-Weitwinkel aus?
Objektive dieser Art haben meistens eine (maximale) Brennweite von unter 25 Milimeter. Damit bieten sie auch an APS-C-DSLRs einen extrem breiten Blickwinkel und somit ganz besondere Gestaltungsmöglichkeiten.
Worin liegt der sinnvollste Einsatz für ein Ultra-Weitwinkel?
Das wohl am naheliegendste Einsatzgebiet ist wohl die Landschaftsfotografie. Mit einem Ultra-Weitwinkel bekommt man zum Beispiel einen sehr großen Landschaftsausschnitt plus viele knackig scharfer Details im Vordergrund aufs Bild. Auch für Fotos von Städten mit engen Gassen oder Hochhaus-Schluchten eignen sich solche Objektive bestens, da man derartige Motive ohne den extremen Blickwinkel gar nicht erst aufs Foto bekommt. Darüber hinaus lässt sich mit dem Ultra-Weitwinkel-Objektiven auch sehr kreativ arbeiten. Witzige Portraits oder Gruppenfotos aus ungewöhnlichen Perspektiven sind dabei nur zwei Beispiele.
Was sind die Besonderheiten eines Ultra-Weitwinkel-Objektivs?
Die meisten dieser Objektive haben eine sehr kurze Naheinstellgrenze, sodass man Bildausschnitte mit geradezu dramatischen Vordergründen schaffen kann. Die kurze Brennweite sorgt zudem dafür, dass eine sehr hohe Schärfentiefe, beinahe gänzlich ohne Unschärfe-Bereich, vorhanden ist. Somit kann das Foto von der Frontlinse bis unendlich alles knackig scharf abgebildet werden – wenn man denn möchte.
Makro-Objektive
Was genau ist eigentlich ein Makro-Objektiv?
Die Hauptaufgabe eines Makro-Objektivs besteht darin, allerkleinste Details scharf und formatfüllend abbilden zu können. Damit dies gelingen kann, müssen sowohl die Schärfe- als auch die Kontrastleistung der Optik auf höchstem Niveau liegen. Echte Makro-Objektive sind daher nahezu ausschließlich Festbrennweiten, da ein Zoom die eben erwähnten Bedingungen nicht oder zumindest nur unzureichend erfüllen kann.
Lässt es sich wirklich nur für Makro-Aufnahmen einsetzen?
Grundsätzlich eignet sich ein Makro-Objektiv zur Abbildung aller Motive bei denen es auf eine hohe, meistens auch recht tief gestaffelte Bildschärfe ankommt. Nicht gerade wenige Fotografen greifen daher auch für Portraitfotos recht gerne mal zu einem Makro-Objektiv.
Was sind die Besonderheiten eines Makro-Objektivs?
Während alle anderen Objektive darauf ausgelegt sind, bei verschiedenen, mehr oder minder großen Entfernungen ihre beste Leistung zu erbringen, verhält es sich bei Makro-Objektiven genau umgekehrt: Sie sind so konstruiert, dass ihre beste Abbildungsleistung im extremen Nahbereich, deutlich unter einem Meter Distanz zum Objekt, erziehlen. Hinzu kommt, dass die Naheinstellgrenze bei Makro-Objektiven meist deutlich kürzer ist als bei anderen Objektiven, sodass man recht nah an das Motiv herangehen kann. Sehr kleine Blenden wie f/32 sorgen für perfekte Schärfentiefe.
Super-Teles
Was ist ein Super-Tele-Objektiv eigentlich genau?
Nunja, der Name bringt es eigentlich schon ziemlich genau auf den Punkt. Diese Art Objektiv geht über den gemäßigten Tele-Bereich deutlich hinaus. Mit Kleinbild-Brennweiten von 300 Milimetern, teilweise sogar noch darüber hinaus, lassen sich auch sehr weit entfernte Motive formatfüllend aufs Foto holen.
Wo liegen die Einsatzgebiete eines solchen Objektivs?
In erster Linie setzen besonders Tierfotografen brennweitenstarke Teleobjektive ein. Im Zoo und erst recht in freier Wildbahn kommt man in der Regel nicht sonderlich nah an die meist eher scheuen Tiere heran. Selbst wenn dies mal im Einzelfall möglich sein sollte, hat die durch die Tele-Brennweite ermöglichte Distanz den großen Vorteil, dass man im Idealfall von den Tieren gar nicht bemerkt wird und sie so ihr natürliches Verhalten zeigen. Natürlich sind auch noch andere Szenarien, wie zum Beispiel das ebenfalls unbemerkte Fotografieren des eigenen Nachwuchses, mit diesen Objektiven sehr gut realisierbar.
Auf welche Besonderheiten muss man bei Super-Tele-Objektiven achten?
Im Gegensatz zu Makro-Objektiven erreichen die Super-Tele-Objektive ihre Höchstleistung meist bei eher größeren Distanzen. Die besseren (gewöhnlich sind das auch die eher teureren) Varianten sind zudem meist sehr schnell beim Autofocus und haben einen Bildstabilisator integriert, wenn dieser nicht schon bereits im Kamera-Body verbaut ist.
Tags: Kamera Equipment, Makro-Objektiv, Objektiv, Portrait-Objektiv, Reise-Zoom, Spiegelreflexkamera, Supertele, Supertele-Objektiv, Superweitwinkel-Objektiv, Ultra-Weitwinkel
hallo d-imago, bin auf deine seite gelandet und habe interessante artikel gelesen
habe da eine frage zu den reise zooms: welche canon objetkive würdest du empfehlen? wie du schon beschrieben hast ein objektiv für “alles”…sprich mit wenig objetivwechsel so viel wie möglich abdecken…mal ne landschaft mal ne schöne kirche oder brücke aber dann auch mal ne schöne raupe oder schmetterling …du weisst scho was ich meine, oder?
würde mich freuen von dir was zu hören…
gruss aus der schweiz, claudio.
Hi Claudio,
ich selbst benutze als “Alltagsobjektiv” zur Zeit von Canon das EF-S 18-135 IS. Das bekommt man schon für kleines Geld und deckt zugleich die gebräuchlichsten Brennweitenbereiche ab. Gerade was Reise-Zooms jedoch betrifft, durfte ich vor kurzem mal von Tamron das 18-270mm F/3.5-6.3 Di II VC PZD ausprobieren. Schön wenn mal auch mal mehr Brennweite benötigt und die Bildresultate haben mich auch zufrieden gestellt. Wenn es unbedingt ein Objektiv von Canon sein muss, solltest Du mal ein Auge auf das EF-S 18-200 1:3.5-5.6 IS werfen. Was das Fotografieren von Insekten betrifft, empfehle ich Dir, zusätzlich noch über die Anschaffung eines Makro-Objektivs nachzudenken.