Wie der Titel bereits vermuten lässt, beschäftige ich mich im heutigen Artikel mit der fotografischen Abblildung von Architektur. Es gibt sogar einige Fotografen, welche sich auf dieses Themengebiet kommerziell festgelegt haben. Deren Arbeiten umfassen jedoch wesentlich mehr als das simple Fotografieren von hübschen Häusern und Fabriken am Wegesrand. So lange sich ein größeres Bauvorhaben noch in der Planungsphase befindet besteht die Hauptaufgabe darin, Fotografien von Modellen anzufertigen um das Bauvorhaben darzustellen. Während der Bauzeit wird der Entstehungsprozess des Bauwerkes auf der Baustelle dokumentiert. Nach Fertigstellung wird das Gebäude zu guter letzt in seinem aktuellen Zustand fotografisch dokumentiert. Um es kurz auf dem Punkt zu bringen, Architekturfotografie im eigentlichen Sinne ein Teil der Dokumentarfotografie und ist sehr an die Genres Sachfotografie, Industriefotografie und Landschaftsfotografie angelehnt.

Herangehensweise

Wie eben auch bei den meisten anderen Aufnahmebereichen stellt sich auch bei der Architekturfotografie zuallererst die Frage nach dem späteren Verwendungszweck der Aufnahmen. Allein schon ein Architekt würde das Gebäude anders aufnehmen als ein Baustatiker beziehungsweise Bausachverständiger. Mal ganz davon abgesehen wie es ein reisender oder Amateurfotograf betrachtet.

Für ein exaktes Ausrichten der Kamera empfiehlt es sich, ein Gitternetz einzublenden – nahezu jede Kamera sollte das zumindest über das integrierte Display ermöglichen. Architekturaufnahmen leben von einer technisch hochwertigen Darstellung, hoher Detailgenauigkeit und Schärfe über das gesamte Gebäude. Dies erreicht man keinesfalls mit zu hoher ISO-Einstellung und Blende zwischen 8 und 16. Bei sehr langen Brennweiten sollte auf jeden Fall ein Stativ zum Einsatz kommen. Objektive mit Bildstabilisator verringern die Verwacklungsgefahr zudem erheblich. In der Architekturfotografie ist das Licht besonders wichtig. Wenn man nun nicht gerade Stimmungsaufnahmen plant, sollte Gegenlicht absolut tabu sein. Frontales Licht ergibt erfahrungsgemäß nur mittelmäßige Ergebnisse. Leichtes Seitenlicht bei durch Dunst verhangener Sonne ist dagegen hervorragend denn es betont die architektonische Struktur besonders gut.

Problem: Stürzende Linien

Mitunter das Hauptproblem dem der Fotograf sich im Rahmen der Architekturfotografie stellen muss, sind stürzende Linien. Es ist ein Naturgesetz, dass zwei parallel verlaufenden Linien nur dann als Parallelen abgebildet werden, wenn die Aufnahmeebene – in diesem Fall der Sensor – exakt parallel zur Objektebene ausgerichtet wird. Da unsereins jedoch Gebäude sprichwörtlich aus der Ameisenperspektive betrachten, kippen die Linien. Das heisst nicht mehr als dass sie in der optischen Verlängerung irgendwann zusammenlaufen. Es bleibt letztlich nichts anderes über, als diese Tatsache zu akzeptieren und  gestalterisch irgendwie zu nutzen.

Theoretisch wäre die naheliegendste Lösung die Verlegung des Aufnahmestandortes nach oben. Genauer gesagt auf die Mitte des Gebäudes. Manchmal hat man auch das Glück, vom Nachbargebäude aus fotografieren zu können. Das ist aber mit viel Fragerei verbunden und wenn man Pech hat, lässt sich das am besten geeignete Fenster nicht öffnen oder man kommt nicht nahe genug heran.

Der nächste Weg wäre, den Abstand zum Gebäude zu vergrößern. Damit relativiert sich allmählich der Größenunterschied zwischen Gebäude und Fotograf und mit einer langen Telebrennweite lassen sich nahezu parallele Linien schaffen. Dummerweise stehen aber nicht alle Gebäude so frei, dass ein ausreichend großer Abstand möglich wäre.

Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten um stürzende Linien zu kaschieren. Eine sehr kurze Brennweite bis hin zum verzeichnungsfreien Superweitwinkel (auf Fisheye genannt). Das oberste Gebot bei diesen Objektiven ist, die Kamera keinesfalls zu verkanten – in keine Richtung! Dies hat aber auch zur Folge, dass man ziemlich viel Vordergrund bekommt. Möchte man ein höheres Gebäude aufnehmen oder die Entfernung ist zu kurz, so ist man letztlich auf die (hoffentlich) hohe Auflösung der Kamera angewiesen um möglichst viel vom Bild abzuschneiden ohne Qualitätseinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Häufig lässt sich beim Bildschnitt aber auch ein interessanter Vordergrund mit ins Bild einbeziehen.

Auf eine weitere, jedoch sehr teuere Aufnahmemöglichkeit möchte ich aber noch hinweisen. Es handelt sich um den Einsatz von sogenannten Shift-Objektiven. Damit ist es möglich, wie bei einer professionellen Balgenkamera, die Verzerrungen bis zu einem gewissen Grad zu korrigieren.

Im nächsten Artikel möchte ich dann noch darauf eingehen, wie stürzende Linien mit Photoshop korrigiert werden können.

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